Interview John Langley – BLOOM’s DECO (Auszug)

Im Winter sind Sie nicht nur als Garten-, sondern auch als Weihnachtsbotschafter unterwegs. Was genau hat es damit auf sich?

 

ANTWORT: Einmal Botschafter, immer Botschafter? Nein, so einfach geht das nicht. Diesen besonderen „Titel“ habe ich mir durch die vielen Jahre meiner beruflichen Tätigkeit auch als Unterrichtender und „Medienbeobachter und Mitwirkender“ rund um das weihnachtliche Brauchtum „erarbeitet. Ins besonders als „Weihnachtsbotschafter“ fällt es mir leicht mit einer ganz einfachen und eindeutigen Botschaft aktiv zu sein: „Schöne Weihnachten – Freude schenken“. Diese Aufgabenstellung hat für mich persönlich eine ganz wertige Bedeutung, was auch dem Tätigkeitsbereich der Floristen und Gärtner sehr nah kommt: Den geschmückten (auch mit Blumen und Pflanzen) Weihnachtsbaum in den Mittelpunkt vieler Aktivitäten zu stellen. Den winterlichen Garten, Terrasse, Dachgarten oder Balkon als Lebensraum zu entdecken gehört für mich unmittelbar dazu. Und dabei wird es mir immer bewusster: Alles ist möglich – gestalte und erhalte deine eigene Tradition.

 

Warum gehört der Weihnachtsbaum für Sie untrennbar zum Fest dazu?

 

ANTWORT: Mir ist natürlich durchaus bewusst, dass erst Anfang des 20. Jahrhunderts der nadelige Baum die gute Stube des kleinen Mannes (sagt man etwas salopp so) schmückte. Natürlich machte die Kirche und Kerzen ihn bis in die heutige Zeit zum unauslöschlichen Christbaum.

Ohne einen frischen Nadelbaum gibt es für mich kein Fest. Diese Tradition habe ich von meinen Eltern übernommen und der nächsten Generation bereits erfolgreich weitergegeben. Fakt ist, dass ich fast 40 Jahre lang mich immer für einen grünen Kerzenträger entschieden habe. Von der einfachen Rotfichte, ihr folgen die pieksige Varianten in Blau und Grün. Oft freute ich mich auch über die weicheren, duftenden Nordmänner. Hier und da wurde auch mal eine schöne Kiefer festlich klassisch herausgeputzt. Stellt sich durchaus ganz die Frage: Ist diese Überlieferung der alten Tradition noch zeitgemäß? JA!!!!!! JETZT ist genau der Zeitpunkt gekommen, die Möglichkeit des Aufstellens eines „Baumes“ wertzuschätzen. Dazu später mehr. Auch wenn nach dem Fest eine fünfhundertjährige Tradition zersägt, verheizt, geschreddert oder kompostiert wird. Die Erinnerung „Schöne Weihnachten – Freude schenken“ bleibt mit Sicherheit sehr, sehr lange erhalten.

 

Worauf sollte, beim Weihnachtsbaumkauf unbedingt geachtet werden?

 

ANTWORT: Augen auf beim Weihnachtsbaumkauf - Inmitten oft total vernetzter Bäume sieht man vor enger Fülle oft den eigentlichen "Wald" nicht mehr, geschweige einen einzelnen Baum. Hier muss konzeptionell und unternehmerisch noch einiges getan werden, um den Konsumenten nicht gänzlich in diesem Segment zu verlieren. Letztendlich entscheidet doch immer noch das Aussehen hinsichtlich des gleichmäßigen Wuchses (Habitus), der Nadelqualität sowie Farbechtheit die Kaufentscheidung. Oder ist nur der Preis allein ausschlaggebend? Wer sich als Kunde über die Qualität oder das Preis-Leistungsverhältnis nicht so ganz sicher ist, greift mit einem beherzten Griff in den Baum und kann dann umgehend die „Frische“ des Baumes einschätzen. Wie?

Ganz einfach, man „stampft“ den Baum ein bis zweimal fest auf den Boden auf oder schüttelt ihn ganz doll. Wenn dann viele nadelförmige Blätter auf dem Boden liegen, dann „gefällt“ der oft zu früh „gefällte“ Baum bestimmt nicht. Den richtigen gefunden? Längere Haltbarkeit wird auch verbessert, wenn die Tanne, Kiefer oder Fichte möglichst zuvor kühl, wind- und sonnengeschützt aufs Fest vorbereitet werden. Das Verpackungsnetz sollte erst nach dem Aufstellen im Raum entfernt werden. Gut wäre, wenn der Baum noch einen Tag vor dem Schmücken sich dann so richtig entfalten kann.

 

 

Und wie sieht Ihr eigener Weihnachtsbaum zu Hause aus? (Klassische Nordmanntanne o. a.? Wie ist er geschmückt? Wer schmückt ihn?)

 

ANTWORT: "Solange ich mich überhaupt erinnern kann stand – wie bereits geschrieben - immer ein grünes, nordisches, nadeliges und duftendes „Gewächs“ zum Jahresende in der guten Stube. Bereits seit meiner frühesten Jugend bin ich mit der Tradition sehr verwurzelt. Ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel. Komme was da wolle, die eiserne „Wurzel“ musste Jahr für Jahr das oft wackelige meterhohe Gewächs für einige Tage und Nächte verlässlich festhalten. So mancher Baum wurde bei uns an der Wand, Heizung oder Gardinenstange fixiert, damit es kein „Fallbeispiel“ für Weihnachtsbäume gab. Und danach wurde die alljährliche Überraschungs- und Schlüssellochbotanik bis zum heutigen Tag ganz individuell mit viel Geduld und Liebe von mir (wenn ich am 24. Dezember rechtzeitig frei hatte) festlich, mal mehr oder weniger floristisch geschmückt.

Als ich ganz viele rund ausgeschnittene Familienfotos an zarten roten Bändchen baumeln in den mit echten Kerzen bestückten Baum gehängt hatte, gab es viel Gesprächsstoff und Erinnerungen.

Gern nehme ich heute noch gesammelte Utensilien aus den besuchten Gärten, Natur oder sonstigen Spaziergängen mit und dekoriere schon in der Adventszeit nach und nach den Baum. So lassen sich immer noch Lebenserinnerungen wecken. Sehr gern gestalte ich bevorzugt mit einzelnen Schnittblumen in hängende besonders langen Glasröhrchen. Dafür habe ich schon viel Lob für bekommen.

Haben Sie (weitere) Tipps für kreativen Baumschmuck?

 

ANTWORT: Ja, und jährlich kommen weitere Einfälle dazu. Ich liebe die so genannte „Stacheldraht-Pflanze“ (Calocephalus brownii) mit ihren festen, leicht gedrehten Trieben, die besonders durch ihre silbergraue Farbe und flauschige Struktur auffallen. Das Gitterkraut wird nur auf die waagerechten Zweige gelegt und mit ein wenig Schnee-Optik wird der Baum zaubert.

 

 

 

 Besondere Akzente lassen sich auch durch die Dekoration mit glänzenden Perlmuttscheiben aus der Capiz-Muschel schaffen – dazu ein paar farbige Kugeln und natürlich die „echten“ Kerzenlichter.Wer auf bessere Sicherheit achtet, nimmt Teelichter, in kleine Gläser stellen und diese im Baum durch Heißklebetechnik fixieren und befestigen – so entsteht ein adventliches und weihnachtliches Licht, das den Baum auf ganz eigene Art erstrahlen lässt.

Erwachen zur Kreativität - Frühlingsblüher lassen sich vereinzeln in Szene gesetzt. Die kleine, fast zarte gelbe Narzisse `Tête-à-Tête` bittet so um ein erwachendes Stelldichein. Die Blüten wachsen ganz vorsichtig aus der Zwiebel hervor und durch die Wachsschicht, kann sie kein Wasser verdunsten. Ideal für zum Schmücken der stabilen Zweige der dunkelgrünen Nordmannstanne.

Schlicht und schön. Echter Weihnachtsapfel - Der selbst gepflückte Traditionsapfel 'Purpurroter Cousinot' ist für mich eine Besonderheit und zählt zu den absoluten Weihnachtsäpfeln. Die intensive und rote Farbe der liebevoll polierten Schale ist ein Klassiker aus meinen vergangenen Kindheitstagen. Nun habe ich diese Apfelsorte auf einer Streuobstwiese wiederentdeckt. Jetzt nehme ich nur noch ganz viele Äpfel und schlicht rote Kerzen - fertig ist der Baum. Hätte ich fast vergessen vom Apfelbaumschnitt habe ich mir natürlich einige - von der Natur patinierter skurriler Zweige - zurückgehalten. Und wo wird man diese vermutlich entdecken?

 

Tannenbäume versprühen einen besonderen Duft. Was ist das Besondere daran? (Was ist dabei zu beachten?)

 

ANTWORT: Die Frische eines Baumes ist immer mit entscheidend für die Intensität des Duftes. Man sagt, dass der frische Nadelbaum auch als Gesundheitsfördern sein soll. Bekanntlich erweise befinden sich in den Nadeln (nadelförmigen Blätter) der Tannen- und Fichtenbäume unterschiedliche Konzentrationen an ätherischen Ölen. Genau diese Öle verdampfen bei Wärme und leichter Feuchtigkeit. Im Sinne der Aromatherapie können sich diese Substanzen nicht nur positiv auf den Kreislauf, sondern auch auf die Nasenschleimhäute und auf die gesamten Atemwege bis tief in die Bronchien auswirken. Was für ein unerwartetes Geschenk der Natur. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass nur frisch geschnittene oder geschlagene Bäume „gut riechen“ und die Seele beruhigen. Was angesichts der hektischen Weihnachtstage (zumindest in meinem Fall) nicht verkehrt ist.

 

Sie sind auch gelernter Florist. Gestalten Sie in der Adventszeit dekorative Kränze und Gestecke selbst? (Wie sehen diese aus?)

 

ANTWORT: Ja, und sogar sehr gern. Das fängt mit den Fensterbänken an. Die schmale Fläche wird zum illuminierten, verspielten und dekorierten „Windowsgarden“ mit Lichterketten, farbigen vereinzelten Koniferen, Kugeln und Treibholz von der Husumer Nordsee. Bizarre entrindete Zweige sorgen dann für weitere innere räumliche Stimmung. Der Blick von außen ist natürlich dann auch sehenswert.

Ich mag wirklich sehr gern Geschenke mit Packpapier, Bindfaden, Treibholz, unterschiedlichen Materialien und weiteren natürlichen Werkstoffen aus der Natur veredeln, dafür verbringe ich schon mal einige Stunden in meiner dafür eingerichteten „Kreativ-Werkstatt“. Nicht, weil es so wahnsinnig viele Aufmerksamkeiten sind, sondern jedes nach für nach wie ein Unikat zu verstehen ist.

Ach ja, dann geht es noch in den Garten, die oft leeren Kübel oder die Klettersprossenwand der Clematis wird durch eine Sortimentsfülle an Koniferen und Winterlaubgehölzen schmückend bereichert. Soll doch jeder sehen, dass hier der Weihnachtsbotschafter zu Hause ist.

 

Wie und mit wem verbringen Sie die Feiertage?

 

ANTWORT: Ich bin ein wenig (kann hin und wieder auch für die engere Umgebung zu viel werden) in diesem Zusammenhang der Fragestellung ambivalent. Zum einen mag ich die Vorbereitungszeit und damit verbundenen Aktivitäten und Aktionen vor der Weihnachtszeit sehr und freue mich wahnsinnig darauf. Und zum anderen komme ich mit den eigentlichen Festtagen persönlich nicht so perfekt zurecht. Inzwischen (vermutlich dem Alter geschuldet) verbringe sehr viel mehr Zeit am Meer, in der Natur und beschränke mich auf wenige Personen, mit denen ich die Stunden so gestalten, dass ich mich nachherein nicht unwohl gefühlt habe.

Früher, als ich noch als Florist in dieser 5. Jahreszeit kundenorientiert aktiv war, da habe ich sehr oft die „besinnlichen“ Festtage glatt verschlafen. Das war dann für mich ein ruhiges Fest.

 

Welche Rituale aus Kindheitstagen haben sich in Ihrer Familie bis heute erhalten?

 

ANTWORT: Wie bereits beschrieben, zelebriere ich das Aufstellen und schmücken eines nordischen Tannenbaums. Seitdem ich Weihnachtsbotschafter bin, bekomme ich sogar immer ein Exemplar direkt aus der Produktion geschenkt. Was der Kultivator allerdings nicht weiß, mit der Schere scheide ich dann hier und da zu „flauschige“ oder zu „dicke“ Zweige raus. Warum? Ich suche mir dafür einen anderen Platz dafür. Um die Gesamtwirkung zu steigern, bohre ich in den Stamm Öffnungen, spitzte die frisch „geerntete“ Weihnachtsbotanik an und positioniere diese neu. Ich weiß, das hört sich alles etwas komisch an, aber das habe ich vermutlich aus den Kindertage geerbt.

 

Ihnen und euch schöne Weihnachten und viel Freude schenken.

Garten- und Weihnachtsbotschafter John

 

Was sind Ihre nächsten Projekte? (TV, Bücher, Aktionen, …)

 

ANTWORT: 17.12.2017 - Weihnachtsbäume für Seeleute im Hamburger Hafen verteilen. IPM als Weihnachtsbotschafter (in Planung), Produktion neuer Ideen für Kinderbäume (in Planung)

Weitere aktuelle Infos: www.gartenbotschafter-johnlangley.de/