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Thema der Woche

Erst Schuljunge dann Botschafter

John Langley, Loki Schmidt und der Friedhof Ohlsdorf

Ohlsdorf / Langenhorn. Auch wenn er 1949 in Barmbek zur Welt kam – Kindheit und Jugend hat John Langley, Norddeutschlands bekanntester „Grüner Daumen,“ in Langenhorn verbracht. An der Schule Eberhofweg war Loki Schmidt seine Bio-Lehrerin – sein Vater pflegte Commonwealth-Gräber auf dem Friedhof Ohlsdorf. Eine Konstellation, die starken Einfluss auf sein späteres Leben haben sollte. Anlässlich des 140. Jahrestages der Eröffnung des größten Parkfriedhofs der Welt sprach das Wochenblatt mit Langley über den Friedhof und Loki Schmidt.

 

WB: Herr Langley, sie wurden 1949 in Barmbek geboren. Ihr Vater war für die Pflege der Commonwealth-Gräber auf dem Friedhof Ohlsdorf verantwortlich. Wie sind ihre ersten Erinnerungen an Ohlsdorf?

 

„Dieser Friedhof war für mich bereits in den 50iger Jahren der Ort der Ruhe inmitten der englischen Soldatengräber. Als junger rothaariger Knabe hatte ich gelernt mit ‚verhaltender‘ Spielfreude zwischen den gepflegten, blühenden Staudenbeeten entlang der Gedenksteine hin und her zuspringen. Es gab keine richtigen Wege zwischen den Grabreihen, sondern die gesamte Friedhofsfläche war und ist heute noch durchgehend mit Rasen umgeben. Meine Hüpfspuren gruben sich deutlich in den frisch gemähten ‚Englischen Rasen‘ ein.   Nicht anders erging es mir selbst. Der grüne Teppich der Natur und die Vielfalt der Stauden dort machten nachhaltig Eindruck auf mich.“

 

WB: Sie waren schon früh „geschäftlich“ auf dem Friedhof unterwegs – wie kam es dazu?

 

„Ich gehörte zu den vielen Jungs, die an den herbstlichen Gedenktagen am Ohlsdorfer Bahnhof mit einer kleinen Karre warten, um Tannenbündel (oft sehr schwere) zu den Gräbern zu fahren. Heute hat fast jeder ein Auto, aber damals war das ein einträglicher Job, der etwas Taschengeld brachte. Und weil ich auch zu wissen glaubte, wie diese Tanne ‚richtig‘ auf das Grab gelegt werden müsste, hatte ich immer etwas mehr Anerkennung und Taschengeld. Denn die verwunderten Friedhofsbesucher waren dankbar über meine unerwartete Art und Weise der gestalterischen Unterstützung. Vielleicht habe ich auch deshalb mit großer Freude Friedhofsgärtner gelernt, weil dieser Beruf nicht nur mit Natur, Kultur, sondern mit vor allem mit Menschen zu tun hat.“

 

WB: Loki Schmidt war Ihre Bio-Lehrerin –  sie sind seit 2011 Botschafter der Loki-Schmidt-Stiftung. Welchen Kontakt haben Sie zu Ihr gepflegt?

 

Es hat immer wieder Begegnungen gegeben. 2010 besuchte ich Loki Schmidt noch einmal bei ihr Zuhause in Hamburg-Langenhorn. Im Gespräch haben wir ganz entspannt die unterschiedlichsten Themen angesprochen und sogar ‚etwas‘ die Welt gemeinsam gerettet. ‚Loki‘ wollte eigentlich Biologie studieren, doch das scheiterte an den Studiengebühren, so wurde sie nach einem in vier Semestern absolvierten Pädagogikstudium Lehrerin. Verständlich, dass es hier viel zu plauschen gab. Als Unterrichtender von Gärtnern und Floristen und damit verbundener Naturbezug hat unser gemeinsames persönliches Gespräch in alle Richtungen geführt. Ihre Kernbotschaft, der auch ihre Stiftung verpflichtet ist lautet: ‚Wir wollen doch alle nicht, dass unsere Natur noch mehr verarmt.‘  Die Vielfalt der Pflanzenwelt gilt es zu erhalten und gefährdete Pflanzen zu schützen. Diese Zeit mit ihr war für mich etwas ganz Besonderes. Sie war auch für mich ein ‚Leuchtturm‘ und für so viele Menschen weltweit ein wegweisender Mensch. Deshalb wird keiner von uns und auch ich nicht,  Loki vergessen.

 

WB: Loki Schmidt liegt seit 2010, ihr Mann Helmut seit 2015 auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Wie wird dort ihre Kernbotschaft umgesetzt? 

 

Durchaus, das gesamte natürliche, parkartige Milieu prägt mit fast 450 unterschiedlichsten Gehölarten unverwechselbar, einzigartig den gesamten „Park der Toten“, in Hamburg Ohlsdorf. Oft findet sich insbesondere bei der bepflanzten Ruhestätten - vermutlich der Robustheit und „Pflegeleichtigkeit“ geschuldet – eine jahreszeitlich einheitliche Gleichförmigkeit auf. 
Das beginnt mit dem Stiefmütterchen und endet mit der Erikabotanik. Stauden oder die Aussaat oder Bepflanzung von Wildstauden oder Nektarpflanzen könnte der richtige Weg sein. Ich erinnere mich gut über die bunten Commonwealth-Gräber mit ihren vielfältigen Staudenprogramm.

 

 

Begeistert wäre Loki auch über die Wildblumenstreifen entlang der Lärchenallee und an anderen Stellen. Die Artenvielfalt dieser Bienenweiden wäre genau in ihrem Sinn. Was ihr vermutlich weniger gefallen würde ist der verstärkte „Grabkult“ vieler Prominentengräbern auf dem Friedhof. Obwohl ich am Grab beiden Schmidts auch über den Sinn des Lebens intensiv nachtgedacht habe.

 

WB: Sie sind später selbst Gärtner und Florist geworden, waren als Lehrer für die Ausbildung von Gärtnern, Floristen und Meister verantwortlich. Welchen Stellenwert hat für Sie der Gartenaspekt des Friedhofs Ohlsdorf?

 

„Was früher noch etwas ‚platt‘ formuliert mit dem Wort ‚Umweltschutz‘ belegt wurde, hat sich für mich in meinen Aktivitäten immer stärker in Nachhaltigkeit gewandelt, oder genauer verändert. Damit ist auch das gärtnerische Tun und Denken auf den Ruhestätten gemeint. Zukunftsorientiert zu gärtnern ist so einfach. Jeder kann - wo auch immer -  sofort aktiv werden. Je artenreicher, umso ‚er‘lebenswerter sind auf Dauer Fauna und Flora. Beim Pflanzen heimischer Gewächse wird unmittelbar der Lebensraum und die Nahrungsquelle für einheimische Tierarten nachhaltig bereichert. Ein Verzicht auf torffreie Erden und Substrate ist ein richtiger Schritt nach vorn. Der unkontrollierte Griff und damit verbunden die ‚wahllose‘ Verteilung von ‚Tonnen‘ an Dünger hat schon lange die Grenzen der Verwertbarkeit für die Natur erreicht. Fakt ist, dass fast jeder zweite Hausgarten ‚grund‘sätzlich überdüngt ist. Als ‚grüne Haut‘ sollten bodendeckende Pflanzen bevorzugt gepflanzt werden. Sie schützen den Boden vor Austrocknung und Auswaschung. Bedeutet das alles ‚Zurück zur Natur‘?  Nein! Eine nachhaltige Gesellschaft lebt in Einklang mit sich und der Natur und steigert damit auch auf dem Friedhof die Lebensqualität.“

 

WB: Der Wandel der Bestattungskultur führt zunehmend zu Leerständen auf den Friedhöfen. In Hamburg will man mit dem Projekt „Ohlsdorf 2050“ mit neuen Akzenten das Überleben des Friedhofs sichern. Was sollte aus Ihrer Sicht unternommen werden?

 

„Mit dieser Antwort auf eine komplexe Frage mache ich es mir heute ganz leicht. Profit und Pietät liegen ganz, ganz eng beieinander. Jeder Friedhof  ist und bleibt immer ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und deren Wertschätzung mit dem verstorbenen Menschen. Hamburg hat ein ‚grünes Juwel‘ mit dem Parkfriedhof in Ohlsdorf. Deshalb ist es gut, sich an einem Leitbild und nicht an einem ‚Leidbild‘ zu orientieren. Wenn wir unsere Individualisierung etwas zurückstellen würden, dann könnte es viel mehr pflegeleichtere und mit Sicherheit artenreichere Gräber geben. Ein guter Weg in diese Richtung könnte ein ‚Memoriam-Garten‘ sein. Memoriam-Gärten sind wunderschön gestaltete Gärten, die zugleich Teil eines Friedhofs sind. Die lateinische Phrase ‚in memoriam‘, zu Deutsch ‚In Gedenken/In Erinnerung an…‘ wird hier perfekt verkörpert, denn an diesem friedlichen Ort wird kein Verstorbener anonym beigesetzt: Ihre Namen werden auf kunstvollen Grabmalen verewigt. Darüber hinaus sind alle Grabstätten in harmonischer Art und Weise miteinander verbunden, es gibt keine klaren Abgrenzungen wie bei klassischen Gräbern. Diese neuen, oft noch unbekannten ‚Friedhofsgärten,‘ wirken dadurch wie eine zeitlose, natürliche Botschaft an viele Menschen, die einen Lebensraum suchen, der nicht nur der Reflektion, sondern auch der Inspiration dient. Naherholung und mittendrinn gemeinschaftlich Gärtnern? Ja, warum nicht, das Gelände des Parkfriedhofs Ohlsdorf in Hamburg ist groß genug um einfach mehr ‚Lebendigkeit‘ zuzulassen.“

 

WB: Welche Nutzungen von Flächen und Kapellen schließen Sie aus?

 

Geschichtlich geprägte Gräber oder Grabanlagen (Krieg, Katastrophen wie Flut, Feuer – um nur einige Beispiele zu nennen) müssen erhalten bleiben. Eine Nutzung von Kapellen oder Freiflächen für Ausstellungen, Dokumentationen oder Präsentationen kann ich mir durchaus vorstellen. Da zurzeit die Einrichtung von Kitas oder sogar Sportangebote die öffentliche Diskussion aktiv bereichern, könnte ich mir auch eine aktive Einbeziehung von einem NaturkinderGARTEN oder Nordic Walking; Yoga, Tai-Chi und Pilates als Ausdauersportart für Seele und Körper inmitten der Natur. Selbst das bereits erlaubte Radfahren und Wandern könnte besser ausgebaut durchaus die Umsetzung vom Projekt „Ohlsdorf 2050“ bereichern.

 

Gartenbotschafter John Langley



Haus & Grund Schleswig-Holstein

Mein Haus & Grund Ausgabe September 2017 „Grün in der Stadt“

Rubrik „Menschen“

Fragen an John Langley


Frage: Sie erzählen und schreiben „in Grün“. Wie kamen Sie dazu? Was ist Ihre Botschaft?

 

ANTWORT: Wer träumt nicht vom eigenen „Lust- und pflegeleichten Erlebnisgarten? Und warum befreit uns buddeln, pflanzen, säen, schneiden, ernten? Weil gärtnern grundsätzlich entspannt, innerliche Stärke aufbaut und uns zum Blühen bringt. Philosophie oder Erfahrung? Beides, da ich als junger Schüler ein aktiver Zappelphilipp war, was die damalige Lehrerin Hannelore – Loki - Schmidt veranlasst hatte, mich immer wieder in den Schulgarten zu schicken. Viele Unterrichtsstunden sollte ich die Natur „nur“ beobachten. Dieser Prozess der Wahrnehmung hat mich vermutlich nachhaltig geprägt.
Gärtnern beginnt für mich zunächst im Kopf. Es ist unbestritten, dass mehr und mehr Menschen ihr wachsendes, blühendes Refugium immer mehr als lebendigen Lebensraum entdecken. An diesem nachhaltigen Prozess möchte ich teilhaben, mich engagieren, meine „Botschaften“ mitverpflanzen, sie verwurzeln und gemeinsam das Blühen, Fruchten und Ernten begleiten. Wenn es gelingt, dass sich hier und da wertvolle Wildkräuter ungestört ansiedeln, oder sie sogar gezielt zu gesät werden können - zum Nutzen vieler Kleintiere, die auf diese Blütenauswahl angewiesen sind, dann habe ich als Botschafter der Loki Schmidt Stiftung etwas bewegt.

Eines ist unbestritten, in einem "durchgepflegten" Garten haben Bienen, Schmetterlinge und Co. keine Überlebenschance und da kribbelt es auch nicht mehr im Bauch. "Es wird durchgeblüht" so könnte eine weitere Botschaft lauten. Mit Gräsern, Gehölzen, Blumenzwiebeln und Wildstauden lässt sich der eigene Garten beinahe in ein ganzjähriges Naturerlebnis gestalten.

 

Frage: Wie und wo leben Sie, wie sieht Ihr eigener Garten aus?

 

Antwort: Für mich ist mein überschaubarer Blühgarten in Husum eher als Erweiterung des Lebensraums zu verstehen. Und es stimmt wirklich jeder Garten ist das Spiegelbild dessen, der ihn anlegt. Quadratisch, praktisch, gut, so wie zugepflasterte Stein- oder Kieselflächen? Nein, das bin ich nicht. Pflegeleicht? Das gibt es nicht. Mir ist zunächst wichtig mich nicht zum Nachbarn abzugrenzen. Zu beiden Seiten des Reihenhausgartens durfte ich den Zaun wegnehmen, und nun schaut man wie in einem englischen Garten über die Fläche hinweg. Ist doch schön, wenn so auch die sicht- und unsichtbaren Zäune in den Köpfen der Menschen, der Nachbarn fallen. Ich freue mich über blühende Gehölze (bienenfreundlich), und natürlich gehören Rosen auch dazu, sowie viele Wildstauden, unendliche Zwiebelblüher, grüner Farn (als beste Schneckenbarriere), blühende Bodendecker (halten spontane ungewollte Botanik zurück) und über die Fläche mit Steinen dekorierte sprudelnde Wasserquellen.

 

Mehr geht nicht. Warum? Weil der Platz fehlt. Ach da erinnere ich mich in diesem Zusammenhang doch sehr gerne an eine Fahrradfahrerin, die vor meinem vorderen Garten auf der Straße stehen blieb, mich als TV-Gärtner nicht erkannte und in einer staunenden Bewunderung bemerkte: "Sie haben so einen schönen Garten, den sollte man mal ins Fernsehen holen."

 

Frage: „Grün in der Stadt“ bedeutet für Sie was?

 

ANTWORT: Ohne Grün lebt für mich keine Stadt. „GRÜN STATT GRAU“ ist auch zu meiner Botschaft geworden. Nur eine vorausdenkende, zukunftsorientierte und lebendige Stadtentwicklung in koordinierter Symbiose nachhaltiger Architektur, gekonnt implementierter Artenvielfalt, erlebbarer Grünfläche (wie z.B. Parks, Friedhöfe, Straßenbegleitgrün, Kleingärten, Spiel- und Erlebnisräume, Dachgärten, Freiräume, Naturschutzflächen.....) und funktionierender Infrastruktur lässt auf Lebensqualität hoffen. Wer sein Haus & Grund durch lebendiges Grün umgibt, wird bei einer möglichen „Werteinschätzung“ mit Wertschätzung belohnt. Oft lässt sich bereits mit geringem Aufwand viel erreichen: Ausgesäte Blütenpracht wird zum optischen Blickfang. Meine Botschaft: „Nur eine wachsende, lebendige und artenreiche StadtNatur sorgt bodenständig für tiefe Verwurzelung und lässt so richtig aufblühen“.  

 

Frage: „Urban Gardening – ein neuer Begriff oder für Sie nur eine Floskel?

 

ANTWORT: Das bewusste Gärtnern, bevorzugt in Großstädten ist mehr als nur ein Trend. Das Erwähnenswerte daran ist die Tatsache, dass die soziokulturelle Herkunft und die finanzielle Situation der Menschen durchweg keine signifikante Rolle bei der Entscheidung für das GARDENING spielt. Das gemeinschaftliche „Buddeln, Graben, Aussäen, Ernten und Natürliches" zu erleben ist unbestritten ein lebenswerter Prozess, der das Bewusstsein im Umgang mit der Natur nachhaltig verstärkt. Im diesem Zusammenhang werden beim "Urban Garden nicht nur Bienen, sondern auch unsere heimische Fauna akzeptiert und integriert. Stichwort: Insekten-“Hotel“. Gute Gründe für Urban Gardening gibt es viele. Gärtnern liegt absolut im Trend und erobert so verstärkt unsere oft verbaute Welt. Das gemeinschaftliche Buddeln lässt nicht nur Gemüse und Co, sondern auch den Gemeinschaftssinn, Sozialkompetenz und Handlungskompetenz wachsen.

 

Der Blick zeigt es - urbane Gärten begrünen Stadtviertel, verbessern die Luft- und Lebensqualität, verwandeln hier und da Brachflächen in lebendige Lebensräume. Sie tragen zu Kultur, Bildung und Verständigung bei und bieten vielfältigen Raum für Engagement, Beteiligung und respektvolle Verantwortung gegenüber der Natur. Meine Botschaft: „Urban Gardening ist für mich wegweisend, weil nur lebendige Städte mit intakter Natur sich zur vollkommenen Symbiose für Menschen, Fauna und Flora entwickeln werden“. Soll das ALLES nur eine Floskel sein?

 

Frage: Nicht jeder hat Lust zur Gartenarbeit, möchte aber einen Garten haben. Was raten Sie demjenigen?

 

ANTWORT: Ein Garten hält uns lebendig, mobil. Das ist Lebensqualität pur. Oberstes Gebot: Man darf sich das Tempo nicht vom Garten diktieren lassen und soll sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Wenn man die möglicherweise anstehenden Aufgaben kleiner hält, werden die Erfolgserlebnisse größer. Der dann nach und nach liebgewonnene Lebensraum in der Natur sollte nicht nur „schön“ sein, sondern auch mit allen Sinnen „wahrgenommen“ werden. 

 

Und genau dieser ganzheitliche Prozess (er könnte auch etwas länger dauern) macht einen Garten aus. Und wer absolut keinen Zugang zur eigenen Natur findet, entdeckt schnell, dass ein(e) professionelle(r) Gartenprofi eine gemeinsame Lösung finden wird.

 

Frage: Was gibt es noch außer Gärten und Pflanzen, für das Sie sich einsetzen.

 

ANTWORT: Als ehrenamtlicher Botschafter der Loki Schmidt Stiftung begleite ich beispielweise den langen Tag der StadtNatur oder beteilige mich aktuell am „Grüne Bauten“ Projekt der Hamburger Umweltbehörde (BuE). Bei sonnigem Wetter stellte der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan gemeinsam mit mir als Gartenbotschafter auf dem Gründach des Unilever-Hauses die „Preisträger der Aktion „Auf die Dächer – fertig – grün!“ vor.

 

Wer sich wie ich für den Förderkreis zugunsten unfallgeschädigter Kinder e.V. engagiert weiß, dass Unfälle mit Kindern nach wie vor zum traurigsten Kapitel unseres Verkehrsalltages gehören. Grund genug hier auch als Gartenbotschafter für Aufmerksamkeit und Spenden zu werben.

 

Frage: Sie sagten einmal „Gärtnern beginnt im Kopf“. Andere ergänzen „Es endet im Kreuz“. ist das ein Widerspruch oder eine Zwangsläufigkeit?

 

ANTWORT: Zunächst sollte Gärtnern grundsätzlich Freude bereiten, aber (und ich weiß genau wovon ich hier schreibe) manchmal ist diese Tätigkeit auch für den Körper und Geist anstrengend. Vor allem, wenn Knie und Rückenmuskulatur stark in Anspruch genommen werden. Und wenn der Kopf mit Stress durch die viele „Gartenarbeit“ beschäftigt ist, dann wird es dringend Zeit seine eigenen Verpflichtungen gegenüber seiner wachsenden „Pflegefläche“ neu zu sortieren. Die Lust am Gärtnern darf nicht zur Last werden.

 

Noch Lust auf einen Tipp? Ich liebe das aufrechte Gärtnern. Für mich als praktikable Lösung, um häufiges Bücken und Hocken zu vermeiden oder zu reduzieren, sind Gartengeräte mit langen Stielen. Schmalere steillang breite Beete erleichtert das handwerkliche GÄRTNERN, oder hier und da Hochbeete anzulegen. Bequemlichkeit ist keine Faulheit. Beim GÄRTNERN kann auch sitzen, statt hocken oder knieen (wenn noch möglich) entlasten, genauso wie viele, viele Pausen einzulegen, um sich über die bereits geleisteten Aktivitäten zu freuen und einfach mal den Garten, die Natur, das Wetter zu genießen.

 

Frage: Was sollte geschehen, damit es mehr Grün gibt in unseren Städten?

 

ANTWORT: Weil ich mich gerade mit dieser Fragestellung intensiv beschäftige, wünschte ich mir mehr Dachbegrünung mit artenvielfaltiger Bepflanzung. Tragfähige Flächen dafür gibt es überall, und so lässt sich auch für eine sinnvolle Wasserrückhaltung sorgen. Hoch- oder Vertikalgärten sehen nicht nur schön aus, eine derartige Begrünung bietet vielfachen Nutzen. Beispielsweise schützt das Gründach die Dachabdichtung vor Extremtemperaturen, Hagel und Witterungseinflüssen und verdoppelt so die Lebensdauer eines Daches. Meine Botschaft: „Artenreiche Dachbotanik bedeutet für mich das Zusammenwachsen unterschiedlichster Lebensräume und – Ansprüche inmitten urbaner Lebendigkeit“.

 

Frage: Was machen Sie im Garten am wenigsten gern?

 

ANTWORT: Rasen vertikutieren! (weil es sehr oft keinen Sinn macht), Spontanbotanik aus den Fugen zu „ernten“ (weil mir die Zeit dafür oft für andere Aktivitäten verloren geht), oder Schnecken hinterherzujagen. Warum? Nacktschnecken bevorzugen gern ein feuchtes, dunkles Refugium. Wer morgens wässert und nicht am Abend, reduziert die nächtliche Mobilität der Schleimer. Ebenerdig, eingegrabene „klassische“ mit Bier, Milch oder Limonade gefüllte Lockfallen machen in der Praxis keinen richtigen Sinn. Sie wirken eher anziehend für das Schneckenvolk. Und was müssten das für riesige Behältnisse sein, wo Hunderte auf den Schlag für immer gefangen wären?

 

Bei der Verwendung von handelsüblichem „Schneckenkorn“ sollte beim Kauf immer auf Umwelt, Mensch, Fauna und Flora geachtet werden. Eher können ausgelegte Salatblätter und ein feuchtes Handtuch darüber, da eine Lösung sein. An diesen signifikanten Fundstellen lassen sich die Schnecken dann massenhaft absammeln. MEGAout ist auch der Wurf zum Nachbarn, da der Flug mindestens vier Kilometer weit sein müsste, um eine Rückkehr auszuschließen. Möglicherweise gibt es eine aktuelle Lösung, am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Dort wurde ein zuverlässiges Mittel gegen Schnecken entwickelt. Mit einem absolut neuen, patentierten, ökologischen Antihaft-Lack können bereits wenige Pinselstriche Schneckenüberfälle verhindern. Das versuche ich sofort.

 

Frage: Und was am liebsten?

 

ANTWORT: Riechen, fühlen, wahrnehmen, begreifen und dabei entschleunigen. Da reicht mir bereits eine Handvoll Erde, um etwas NATÜRLICHES wachsen zu lassen. Auch wenn wir oft glauben, dafür eigentlich keine Zeit zu haben. Zurück zur Natur scheint es uns immer dann zu ziehen, wenn wir – wie gesagt - uns entschleunigen wollen oder müssen. Dabei geht es nicht um profane Langsamkeit als Selbstzweck, sondern um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen im Umgang mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der umgebenden Natur. Entspannung braucht viel mehr Raum in unserem Leben und ich selber empfinde in den vergangenen Jahren: Der Wunsch danach wird immer größer.

 

Der Auftrag ist klar. Gärten sollen glücklich machen und uns bewegen. Und genau in diesem Zusammenhang mache ich meine positiven Erfahrungen. Nachvollziehbar, dass von Jahr zu Jahr auch die Zahl der Gärten in Deutschland immer mehr zunimmt. Zuwachsprognose für die unmittelbare Zukunft: zwei Millionen.

 

Gartenbotschafter John Langley



John Langley: Was bedeutet glückliches Gärtnern?

Posted by VuM Magazin | Jul 27, 2015 | Natur |

 

Ok, ich muss eingestehen, dass „Garten“ oder genauer „gärtnern“ zunächst mit Arbeit, Ausdauer und natürlich auch mit Kosten verbunden ist. Trotzdem wird diese Beschäftigung inmitten der Natur durch viel Freude und Spaß am Tun geprägt.

 

Gärtnerisches verantwortliches Gestalten bedeutet auch Erfahrungen sammeln und Entscheidungen über das Gelingen zu tragen. Alles soll wachsen, gesund sein und perfekt aussehen. Oft genannte Wünsche für einen vollkommenden Garten.

 

Es ist unbeschreiblich mitzuerleben, wie, was, oft, wo, noch wächst, gedeiht oder hin und wieder auch in den Kreislauf der Vergänglichkeit übergeht. Ein Stück eigene Natur stärkt nachweisbar die Gesundheit, die körperliche Mobilität und vermittelt nachhaltige Freude. Neudeutsch sagt man auch „Wellness“ dazu. Wer für sich selbst und nicht für seine kritischen Nachbarn gärtnert, ist und bleibt ein zufriedener Mensch in seinem Lustgarten. Sinnvolles Gärtnern sorgt – so ganz nebenbei – für Ruhe und Erholung, Sinneswahrnehmung und Aufmerksamkeit, Kräftigung und Geschicklichkeit und nicht zuletzt für Selbstvertrauen durch sinnvolles Tun.

 

Beobachten und dann handeln

Wer der Natur auf die Spur kommen will, muss erst beobachten und dann handeln. Es kreucht, fleucht und läuft nur so, wenn man sich Zeit nimmt einmal genauer hinzusehen. Flinke, leuchtende Laufkäfer sind auf der ständigen Suche nach kleinen Insekten, vornehmlich nach Blattläusen. Diese stehen auch auf dem Speisezettel der Marienkäfer. Sie und vor allem ihre Larven ernähren sich in erster Linie von ihnen. Selbst Raubwanzen lassen Blattläusen, Raupen, Kartoffelkäferlarven, Spinnmilben und anderen Schädlingen in ihrer näheren Umgebung kaum eine Chance. Selbst der Ohrwurm hilft im „Kampf“ gegen Blattläuse. Schon jetzt könnte die „Giftspritze“ im Schrank bleiben. 

 

Und wenn man weiß, dass bevorzugt unsere heimischen Vogelarten alle möglichen Insektenarten und Schädlinge wie Raupen und Maden fressen, kann man jetzt beruhigt sein, wenn einem mal eine (oder mehrere Läuse) über die Leber laufen. Über ein geradezu gefundenes Fressen freuen sich besonders Erdkröten. Sie mögen den Naturgarten. Für sie sind Nacktschnecken, Asseln, Würmer, Raupen, Spinnen, pflanzenschädigende Fliegen, Mücken und auch Wespen das Richtige zum Sattwerden. Total satt ist man auch, wenn man die vielen Erdhäufchen oder Hügel in den Beeten oder noch „schlimmer“ auf dem Rasen entdeckt. Da beruhigt es auch nicht, das der artengeschützte Maulwurf unter und über Tage auf der Suche nach Würmer, Engerlinge, Käfer, Raupen, hier und da Nacktschnecken und andere Schädlinge ist. Es stimmt: Die biologische Schädlingsbekämpfung hat auch immer ihre „Natur“ gegebenen Grenzen. Und manche Nützlinge können auch zu Schädlingen werden. So knabbern Ohrwürmer mit Vorliebe auch Äpfel an. Vögel haben nicht nur ihre nützlichen Seiten, sie mögen auch junge Saat und freuen sich an Kirschen und anderen Obstarten. Ein durchdachtes Gartenkonzept kann bevorzugt den „Zuzug“ von Nützlingen fördern. 

Das allein ist jedoch noch lange kein Garant dafür, dass die Schädlinge nicht doch große Teile der Nutz- und Zierpflanzen „überfallen“.

 

Der Natur auf der Spur

Wer pure Natur will, muss „natürlich“ denken. Wenn es im Garten nicht mehr stimmt, dann wurde der notwendige Lebensraum für Wildblumen, Schmetterlinge, Kleintiere und Vogelwelt schlichtweg vernachlässigt.

 

Explosionsartig breiten sich die Pflanzen zurzeit aus, was natürlich auch jede Menge „unangenehme“ Lebewesen ins geliebte Kleinod lockt. Ameisen, Wespen, Bienen, Rehe, Katzen, Haselmäuse und, und, und … alles pflanzenkillende Schädlinge? Durch unerwünschte Gartenhygiene geht jegliches naturgemäße Gleichgewicht unwiederbringlich verloren. Ist es denn nicht ein Wunder der Natur, wenn sich unter jedem Topf und Stein noch ein echter Saurier einfindet? 

Keiner weiß, weshalb – nur dass sie lebt, die viel geschmähte Kellerassel, das ist Fakt. Hier und da krabbeln zarte Kreuzspinnen hin und her und ungebeten finden sich mehrere Dutzend Gelbpospinnenbabies: ein. Aktive Bodentruppen suchender Ameisen beziehen ihre Posten.

Apropos Ameisen: Eigentlich sollte die jahrzehntelange Diskussion und Beseitigungsstrategien ein Ende haben, ob Ameisen nun nützlich oder schädlich sind. Noch am Überlegen?

Als amtlich naturgeschützte Allesfresser beseitigen sie im Garten beispielsweise leblose Tiere und abgestorbene Pflanzenteile und sind somit durchaus nützlich. Im Haus (ach da waren auch schon welche) spüren sie zielgerichtet zuckerhaltige und eiweißreiche Substanzen auf und sind somit natürliche Anzeiger für eine scheinbare Reinlichkeit.

 

Spaß im Garten haben

Bunte Blumen und grüne Pflanzen sind einfach etwas Tolles! Wer sich einen eigenen Mini-Garten anlegt und dabei zusieht, wie alles wächst, wird seinen Spaß dabei haben. Selbst drinnen lässt sich problemlos gärtnern … so mit richtiger Erde, echten Tontöpfen und Pflanzen. Egal, ob ein bepflanzter Flaschengarten, ein kleiner Teich mit Wasserpflanzen, etwas für Gießfaule oder eine Kindergärtnerei in ganz vielen unterschiedlichen Gefäßen. Ein Garten, in dem Kinder toben und spielen können – das ist der Traum vieler junger Familien (und vermutlich der Alptraum vieler Nachbarn).

Der Garten ist unbestritten ein attraktiver Lebensraum für Kinder. Natürlich muss sich dort auch was tun, sonst wird es sehr schnell langweilig.
Schnellwüchsige und unkomplizierte Pflanzen sind deshalb geeignet, damit die Lust am Umgang mit dem Grün nicht zum Frust wird. Miteinander verbundene lange Äste geben schnell wachsenden Schlingern genügend Halt. So können die Triebe der Prunkwinde wachsen und wachsen.

Und immer öffnen sich neue Blüten. Das gilt auch für die rankende Kletterkapuzinerkresse. Natürlich dürfen auch Zierkürbisse im „Kindergarten“ nicht fehlen. Gelbblühende Sonnenblumen sind absoluten Klassiker. Einige Sorten können sogar bis zu drei Meter hoch werden. Kinderaugen staunen, wenn sie beobachten, wie die Sonnenblumen“köpfe“ der Sonne folgen.

Weniger in die Höhe wachsen die niedrigen Kapuzinerkressen, deren Blüten und Blätter essbar sind. Wer sich ein paar „mobile“ Topf-Erdbeeren für seinen „Naschgarten“ oder Tomatenpflanze mit winzigen Cocktailtomaten hinstellt, wird vom kinderleichten Gärtnern begeistert sein. Da Kinder gern rennen, klettern, bauen und rummatschen wollen, machen Erdmulden und Hügel Sinn. Viele unterschiedliche Materialien wie Lehm, Hölzer, Rinde, Steine, Sand, Erde, Kies, Mulch etc. geben den Kindern mehr Möglichkeiten als nur eine einfache Sandkiste. Gefragt ist grüne Fantasie im oft grauen sterilen Alltag.

 

Auf der Sonnenseite des Lebens

Selbst bei brütender Sommerhitze (wenn die dann auch kommt) lässt sich Wasser im Garten sparen. Es ist ganz einfach, man braucht nur das „teure Trinkwasser“ eher selten, aber dafür ergiebiger auf die Wurzeln seiner Pflanzen zu bringen.

 

Natürlich ist Gießen keine Wissenschaft – grundsätzlich gilt ohnehin: bei Trockenheit lieber einmal wöchentlich gründlich gießen, als jeden Tag oberflächlich. Wenn der Gartenboden etwa zehn Zentimeter tief ausgetrocknet ist, sollte man ihn mit zwei großen Gießkannen pro Quadratmeter gezielt bewässern. Wenn die Natur unterirdisch überlebt, sieht man den Erfolg sofort. Das gezielte Gießverhalten sorgt dafür, dass Pflanzen weitere Wurzeln für tiefere Bodenschichten ausbilden. So wird das blühende Grün weniger anfällig gegen Trockenstress.

 

Beim morgendlichen Gießen verdampft viel weniger kostbares Nass ungenutzt. In der prallen Sonne können die aufgeheizten Pflanzen durch kaltes Wasser sogar einen Temperaturschock erleiden. Dazu kommt noch, dass Wassertropfen bei Sonnenschein wie Brenngläser auf den Blättern wirken. Und abendliches Pflanzenduschen fördert unweigerlich diverse Pilzkrankheiten. Wer will das seinen Pflanzen antun?

 

Wer jetzt aus seinen großen Fässern oder unterirdischen Tanks mit Regenwasser wässert, tut Gutes. Auch eine nicht zu dicke Mulchdecke sorgt dafür, dass der Oberboden im heißen Sommer weniger Wasser verdunstet. Die häufigsten Schwachpunkte beim Gießen sind schnell aufgeklärt: Es wird zu wenig beachtet, dass der Boden feucht, aber die Blätter trocken (im Bett versteht sich) sein sollten. Auch auf die kleine Mühe des oberflächlichen Hackens des Gartenbodens wird gern verzichtet – was den Wasserhaushalt im Boden für die Pflanzenwurzeln verfügbarer macht. Über die überwiegenden Vorteile des Mulchens – oft aus ästhetischen Gründen vermutlich – verschmäht hilft Wasser zu sparen. Beides sorgt aber für entsprechende Bodenfeuchtigkeit.

 

Ein Garten ist nicht Kunst und nicht Natur

 

Er ist ein spannungsvolles Dazwischen. Nie weiß der Gartenfreund, ob er es ist, der seinen Flecken Erde beherrscht. Oder doch umgekehrt. Mein gärtnerisches Lebensziel ist ein großer, bunter, pflegeleichter, erholsamer, in vielen Gefäßen mobil bepflanzter Garten mit unzähligen Blumen, Kräutern und besonders heimischen Gehölzen.

Auf normalen Rasen kann ich gut und gern verzichten. Obwohl ein kleines gepflegtes Stück quadratisches Grün hier und da im Stadt- oder Dachgarten sehr ästhetisch aussehen kann. Etwas Gartendesign darf natürlich sein. Mir ist auch klar, dass ohne Pflege kein Garten so richtig gedeiht, dennoch soll mein Gartentraum nicht zum Albtraum und zur Belastung des grünen Daumes werden. Ein Waldgarten? Warum nicht? Dort kann man auf weichem, mit niedrigen Waldgräsern und Farnen bepflanztem Untergrund entspannt gehen und durch das Unterholz des Waldes, vorbei an einer Mulde mit bepflanzten Hochstammbäumen (Erle und Sumpfzypresse).

 

Halbierte Baumstämme bringen Ruhe in den Garten. Der verspielte Fingerhut umspielt hier und da die Baumstämme. Aufsteigender Nebel hüllt die Konturen der Natur ein, die Formen scheinen zu verschwimmen. Romantik pur. Die dunkle Farbe des Bodens absorbiert das Licht. Kletterpflanzen (wie Waldrebe), üppige Farne und Blattschmuckstauden wie Knöterich oder Ackerschachtelhalm und Waldgräser bilden einen dichten Teppich um die Baumgruppen. Wenn ich in meinem Garten nur mehr Platz hätte.

 

Der „faule“ Gärtner

Eigentlich habe ich das immer gewusst: Faulheit ist nicht nur das halbe Leben, sondern sollte auch als das „biologische Gesetz der Energieersparnis“ verstanden werden.

 

Okay, in unserer Gesellschaft wird immer noch organisierte Faulheit als eine nicht erstrebenswerte Eigenschaft angesehen. Grund genug, dass ich mich bei der Gartenarbeit für ein modernes Pausenmanagement und grünes Wellness-Programm entschieden habe. Faul sein heißt für mich, ab sofort auch erfolgreich zu sein. Und spontan geht mir durch den Kopf, dass dieses faulenzerische Verhalten auch gut für den Umweltschutz sein müsste. Klar, Faule reißen keine Bäume aus, fällen keine Sträucher oder schneiden im Herbst im Aufräumwahn alles nieder, was da im Garten steht. Faule sind gute Energiesparer, denn wer viel ruht, braucht weniger Energie, Strom und andere wertvolle Ressourcen. Faule sind auch selten misstrauisch, denn sie vertrauen meist darauf, dass schon alles gut gehen wird.

 

Mit Faulen gibt es keinen unnötigen Streit über den Gartenzaun, sie mischen sich nicht in fremde Angelegenheiten ein. Faule haben viel mehr Zeit für ihr selbstständig wachsendes Grün. „Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit.“ Das soll Immanuel Kant, 1724–1804; deutscher Philosoph einmal gesagt haben. Für das Jahr 2014 gilt es, etwas ruhiger etwas fauler, langsamer und gelassener gärtnern zu wollen um einfach nur glücklich zu sein.

 

Text und Fotos: John Langley – Gartenbotschafter

 



NDR-TV-Gärtner John Langley – Der Garten als Spiegel der Seele

Report -Für TV-Gärtner John Langley steht Grün für Hoffnung, Wachstum und Leben. Bereits während seiner Schulzeit wurde er von seiner Botanik-Lehrerin Hannelore "Loki" Schmidt auf die grüne Fährte gebracht. 0381 sprach mit John Langley über den Imagewandel des Kleingartens, den aktuellen Trend zu Bio-Produkten und sein Leben als "grüner Daumen".

0381-MAGAZIN: John Langley, Sie sind lupenreiner Hamburger und trotzdem würde man Ihnen aufgrund Ihres britischen Namens schon vorab jede Kompetenz in Sachen Garten zusprechen. Wo liegen Ihre familiären Wurzeln und wie kam es, dass Ihnen das Thema Garten so ans Herz gewachsen ist? Und welche Rolle spielte die kürzlich verstorbene Loki Schmidt dabei?
John Langley: Es sind eigentlich immer die "Wurzeln", die für das persönliche Überleben verantwortlich sind. Sie sorgen für eine ausreichende soziokulturelle Verankerung, versorgen uns mit Energie und verwachsen flach, verzweigt oder tief. Einige von ihnen sind westlich von England in Wales, in wunderschönen und einzigartigen Gärten zu finden. Vermutlich sind hier Gene  in der grünen Seelen-Oase verankert, die es möglich machen auf Menschen zu reagieren, die mit ihrer außergewöhnlichen Liebe zur Natur zum Garten- Enthusiasten geworden sind. Wenn man mitten in Hamburg-Barmbek geboren ist, dann ist man in der Tat ein "echter Hamburger Jung". Bereits als 11-jähriger Schüler hatte ich die erste Begegnung mit der Biologielehrerin Loki Schmidt. Der Weg ist bekanntlich das Ziel – das mag zunächst nicht für viele Menschen gelten, dennoch führte mein schulischer Pfad direkt ins Grün. Dabei erlebte ich die ersten positiven Erfahrungen im Umgang mit der Natur durch Hannelore "Loki" Schmidt. Was inzwischen zum pädagogischen Alltagsgeschäft gehören sollte, war damals noch ein unbekanntes Prinzip der handlungsorientierten Pädagogik. Besonders das Eindrückliche und emotional Bedeutsame prägt das Naturverständnis. Und genau das war der Impuls für meine grüne Laufbahn. 2011 wurde ich offiziell zum Botschafter der "Loki-Schmidt-Stiftung" ernannt. Eine interessante, ehrenamtliche Tätigkeit, die es möglich macht, sich auch für den Erhalt schützender Pflanzen zu engagieren, Umweltbildung- und Naturschutzprojekte zu begleiten.

0381-MAGAZIN: Sie gelten als Mann mit dem "grünen Daumen" beim NDR und geben jede Woche Tipps und Tricks rund um das Bewirtschaften des heimischen Gartens. Ist dies ein Full Time Job für Sie oder kümmern Sie sich noch um weitere Projekte?

 

Langley: Das visuelle Gärtnern als "grüner Daumen" beim Fernsehen ist nur eine Facette meiner Aktivitäten. Ein ganz anderes Standbein ist die Mitwirkung im Team der Internationalen Gartenschau 2013 in Hamburg. Seit dem 01. September 2008 arbeite ich für die igs 2013. Meine Aufgaben als "grüner Daumen der igs" sind vielfältig. Der direkte Kontakt mit Menschen, Natur und Ausstellungswesen ist mir bei diesem einmaligen Projekt besonders wichtig, weil ich auf diesem Wege neben gärtnern auch moderieren, informieren, diskutieren und unterhalten kann. Das ist für mich gelebtes grünes Engagement. So lassen sich auch viele gärtnerische Impulse auf und während  der Gartenschau  2013 vermitteln.

0381-MAGAZIN: Das Thema Garten erlebt ja seit einigen Jahren eine Renaissance. Gartenarbeit wird von jungen Leuten entdeckt und gilt plötzlich nicht mehr als spießig. Wie kam es zu diesem Wandel?

 

Langley: Es stimmt, diese Wandlung ist unmittelbar erlebbar. Das Herz vieler Juniorbürger/innen schlägt für die Natur. Engagierte Jugendliche beteiligen sich an gärtnerischen Wettbewerben und nutzen die Möglichkeit sich nachhaltige Gedanken über einen eigenen Schulgarten machen zu können, integrieren sich somit in Projekten an Prozessen den Lernort Schule "grüner" zu gestalten. Kindergärten entdecken Naschgärten, junge Menschen werden spontan zu "Guerilla Gärtner". Sie bepflanzen selbstinitiativ öffentliche Plätze, Grünstreifen, Verkehrsinseln, unbegrünte Betonkübel, Bauminseln oder vergessene Hinterhöfe, um einer Stadt noch mehr grün zu geben.

0381-MAGAZIN: Aber woher kommt dieses Engagement?

 

Langley: Das sind Ergebnisse einen nachhaltigen "Naturerziehung"  von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft. Es ist hier keine Frage der Lust, sondern das Gärtnern tut allen Menschen einfach gut. Der Spaß und die Freude an Pflanzen und an der Arbeit mit Erde ist etwas, was den Kopf befreit. Es geht um das Gärtnern um des Gärtnerns wegen und nicht, weil man in Konkurrenz mit anderen steht oder irgendetwas von einem erwartet wird. Und wenn man dann den Spaten zur Seite legt, freut man sich, etwas getan zu haben, ohne viel nachzudenken. Es gibt immer mehr Menschen, die ganz gartenaffin sind. Sie können besonders gut mit Pflanzen umgehen, sie spüren, riechen, wahrnehmen und mit ihnen sprechen.

 

0381-MAGAZIN: Ein weiteres Phänomen ist die Hinwendung zu ökologisch produzierten Lebensmitteln. Ist dies Ihrer Meinung nach eine popkulturelle Entwicklung, als Folge des Engagements von Prominenten wie Prince Charles oder denken Sie, dass die Menschen heute mehr auf Nachhaltigkeit achten als noch vor etwa 10 Jahren.

 

Langley: Natürlich ist der britische Thronfolger als Öko-Prinz Trendsetter und engagierter Vorreiter der weltweiten Bio-Bewegung zu verstehen. Und solche Vorbilder muss es natürlich immer geben. Selbst das eigene Verhalten im ressourcenschonenden Umgang mit der Natur, kann und wird seine Nachahmer haben. Es ist so einfach: Wasser sparen, Pflanzen aus heimischer Produktion auswählen, Gartenböden weniger umgraben, Vogel- und Insektenschutz intensivieren und, und, und … 
Man muss nur die Natur verstehen um zu begreifen, dass jeder Einzelne von uns aufgefordert ist, bei der nachhaltigen Gestaltung unserer Gesellschaft selbst aktiv zu werden. Nicht nur im Garten! Deshalb ist es unabdingbar, dass wir ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Gärtner beginnt deshalb zuerst im Kopf.

 

 

 

0381-MAGAZIN: Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Gärtnern. Wie sah ein klassischer Garten früher aus und was ist bei einem Garten heute anders? Und gibt es international Unterschiede zwischen Gärten in verschiedenen Ländern und Regionen?

 

Langley: Das ist für mich die schwierigste Frage. Alles ist im Prozess der Veränderung. Salopp gesagt. "Nix ist so beständig wie die Veränderung selbst". Es hat sich wirklich viel getan. Diente früher der Garten überwiegend der eigenen Versorgung so hat sich der klassische Gemüsegarten zwischenzeitlich in ein "Erholungs- oder Wellnessgarten" für Körper, Geist und Seele gewandelt. Die Auswahl an Pflanzen aus aller Welt ist unvorstellbar groß, dennoch wird das Kaufverhalten durch Umweltbewusstsein bestimmt. Pflanzen aus der Region werden deshalb immer stärker berücksichtigt. Naturbelassen ist ein absoluter Trend. Die Lust auf pflegeleichtes blühendes Grün ist kaum noch aus den heutigen Gärten wegzudenken. Eine neue Ästhetik der Natürlichkeit hat Einzug gehalten. Ungezwungenheit prägt das visuelle Bild der Anpflanzungen und mitten drin sieht man wieder das klassische Gemüse in neuen ungewöhnlichen Formen und Farbgebungen als schmückende Ergänzung.
Natürlich ist der Blick über den Gartenzaun wichtig, dabei lässt sich schnell feststellen, dass bereits interkulturelle Gärtnern in vielen Stadtteilen, Kleingärten und Gartenveranstaltungen entstehen. Unter dem Motto: Wurzeln schlagen und gemeinsam "auf"wachsen. Mit und von der Natur leben gehört auch zum eigentlichen Konzept der Interkulturellen Gärten. Das gemeinsame Gärtnern bedeutet von- und miteinander zu lernen, zu sprechen und gemeinsam zu erleben wie ihr eigener Garten wächst. Der intensive Kontakt mit dem Boden, der Erde, dem Lebendigen fördert so unweigerlich den "Verwurzelungsprozess" in Gang. Jeder ist willkommen und lernt voneinander, gleich welchen Alters.  So vereinen sich grüne Daumen aus aller Welt.

0381-MAGAZIN: Der Frühling neigt sich dem Ende zu. Was sollten unsere gärtnernden Leser beachten, bevor die Sommersaison im Garten beginnt? Gibt es Dinge, von denen Sie sagen, dass sie unbedingt in einen modernen Garten gehören?

 

Langley: Modernes Gärtnern fängt für mich mit "Faulheit" und nicht mit dem Wettlauf um "Trends" an. Mein ultimativer Garten-Tipp: Immer in kleinen Schritten vorzugehen und nicht gleich den ganzen Garten zu jeder Jahreszeit umgestalten zu wollen. Was auf keinen Fall entstehen sollte, ist Stress. Der ist nicht gewollt bei der fortschrittlichen Gartenarbeit. Es geht um  pure Entspannung, nachhaltige Erholung, ja, die Freude daran, vorhandene Fähigkeiten weiter zu entwickeln, die Natur wahrzunehmen und zu verstehen -  und die Lust auf etwas Eigenes. Das sind für mich die besten Voraussetzungen, die Sommersaison zu beginnen.

0381-MAGAZIN: Abschließende Frage: Wie sieht eigentlich der Garten von John Langley aus? Was bauen Sie an?

 

Langley: Steinig, blühend und grün und ganz nebenbei sogar pflegeleicht. Für mich ist er  unbestritten die wichtigste Schnittstelle zwischen Urkraft und Stress. Es ist das unbeschreibliche Fleckchen Erde, wo entspannt, geplant, geschaufelt, gegraben, gesät, gepflanzt und natürlich auch ausgeruht werden kann. Keine Wiederholung, kein Blick zur Redakteurin, kein enges Zeitfenster, keine Öffentlichkeit, kein Fernsehen … nur für mich. Somit ist dieses Refugium (wie eigentlich alle Gärten) ein Spiegel der Seele und wird als erholsamer Lebensraum verstanden. Wenn ich dann wieder vor der Kamera in den unterschiedlichsten Gärten stehe (zweimal die Woche Dienstags live im NDR Mein Nachmittag, Samstag im NDR DAS – DAS grünt oder in der NDR-Landpartie) dann freue ich mich über die Kreativität vieler Gartenfreunde und finde genügend Anregungen für Staudenbepflanzungen, Hochbeete und mobile Gärten in Kübeln.

CHRISTIAN RUTSATZ